Bundeswehrbericht
"Unverändert beklagten Soldaten Defizite ihrer Vorgesetzten bei der Wortwahl und im persönlichen Umgang. Die Vorwürfe richteten sich gegen Vorgesetzte nahezu aller Dienstgrade und offenbarten manchmal rücksichtloses, zum Teil auch geringschätzendes Verhalten. Insbesondere von erfahrenen älteren Unteroffizieren und Offizieren, die unmittelbare beziehungsweise Disziplinarvorgesetzte sind, wird seitens der unterstellten Soldaten vorbildliches Verhalten erwartet. Wenn es daran fehlt, geht Vertrauen verloren und mancher hoffnungsvolle Nachwuchssoldat überprüft seine Bereitschaft zum längeren Verbleib in den Streitkräften."
Den von der Truppe zu meldenden „Besonderen Vorkommnissen„ (BV) mit Verdacht auf rechtsextremistische, antisemitische oder fremdenfeindliche Hintergründe gilt seit jeher die besondere Aufmerksamkeit des Wehrbeauftragten. Über die Entwicklung in diesem Bereich ist in den Jahresberichten regelmäßig berichtet worden.Angesichts der erschreckenden aktuellen Erkenntnisse über rechtsextremistische Straftaten bin ich der Frage nachgegangen, ob es Verbindungen dieser Szene zur Bundeswehr gibt. Glücklicherweise kann diese Frage nach bisherigen Erkenntnissen verneint werden."
"Seit März 2011 werden nur noch solche Soldatinnen und Soldaten einberufen, die sich freiwillig für einen Dienst in den Streitkräften entschieden haben. Viele von ihnen kehrten der Bundeswehr bereits nach wenigen Tagen wieder den Rücken. Für sie war der Dienst und die Ausbildung, die sie erlebten, offenbar nicht attraktiv. Das muss zu denken geben.
Soldatinnen und Soldaten haben einen Anspruch darauf, umfassend, auch fordernd, aber immer zielführend und unter Beachtung der Grundsätze der Inneren Führung ausgebildet zu werden.Auch in diesem Berichtsjahr genügten in den dem Wehrbeauftragten bekannt gewordenen Fällen zu viele Vorgesetzte diesen Anforderungen nicht, wie auch die im Anhang exemplarisch geschilderten Fallbeispiele belegen."
"Auslandseinsätze der Bundeswehr im Berichtszeitraum den Schwerpunkt des Auftrags und Einsatzes der Bundeswehr. Dabei war auch das Jahr 2011 insbesondere im ISAF-Einsatz von zum Teil schweren Gefechten und Anschlägen überschattet. Allein in diesem Jahr kamen nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr 7 deutsche Soldaten im ISAF-Einsatz ums Leben, 44 wurden verwundet, nicht wenige schwer. Auch im Kosovo führte ein Wiederaufflammen der Konflikte zwischen serbisch- und albanischstämmiger Bevölkerung zu gewaltsamen Unruhen und damit einer Verschärfung der Sicherheitslage für die bei KFOR eingesetzten Kräfte. Bei Zwischenfällen an der kosovarisch-serbischen Grenze wurden im November 30 Soldaten, darunter 19 deutsche, verletzt, zum Teil auch schwer.
Die verstärkte Umsetzung des „Partnering„ mit der afghanischen Armee führte zu einer wesentlichen Ausweitung des Operationsradius der Bundeswehr im Norden Afghanistans. Mehrtägige Operationen sowie wochenlange Aufenthalte außerhalb geschützter Feldlager sind für viele Verbände mittlerweile Alltag geworden. Trotz der erneut gestiegenen Anforderungen und der damit einhergehenden Gefahren bestehen zahlreiche, teilweise seit Jahren bekannte Defizite im Bereich der Ausrüstung sowie der Ausbildung unverändert fort.Bemühungen des Bundesministeriums der Verteidigung, erkannte Mängel abzustellen, sind unverkennbar. In vielen Bereichen haben sie zu teils deutlichen Verbesserungen geführt. Hervorzuheben ist insbesondere die Mitte 2010 im Bundesministerium der Verteidigung eingerichtete Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Ausrüstung Einsätze„, die seither in einer Vielzahl von Fällen zu einer erheblichen Beschleunigung der Beschaffung und schneller und unbürokratischer Abhilfe im Bereich der Ausrüstung beigetragen hat. Dennoch bleiben erhebliche Ausrüstungslücken, sowohl im Einsatz als auch im Inland."