Kategorienforschung
Wir erforschen, wie Menschen über ihre Umwelt, ihre Begegnungen, auch über SIE nachdenken, welche Meinungen sie sich bilden, welche Schlußfolgerungen sie zu ziehen geneigt sind, wohin sie sich bewegen und entwickeln wollen... kurz: welche KATEGORIEN und KONSTRUKTE sie sich bilden!
Die Kategorien, die jemand verwendet, bestimmen seine Sichtweise. Probleme, die mit den eingespielten Verfahren nicht lösbar sind, können mit einer kategorialen Zugangsweise erfolgreich angegangen werden.
Denn dies heißt nichts anderes, als eine andere Sichtweise zu übernehmen. In dynamischen Umgebungen können eingespielte Denkmuster, selbst wenn sie lange Zeit erfolgreich waren, leicht in eine Sackgasse führen, wenn sie nämlich für neue Situationen nicht angemessen sind.
Bei Problemlösungen, bei denen herkömmliche Verfahren scheitern, in Bereichen wie dem Change Management, oder auch zur Entfaltung kreativen Potentials ist ein kategorialer Zugang erfolgreich.
Während die ‚reine’ Kategorienwissenschaft Gesetzmäßigkeiten zum Zwecke der Theoriebildung erforscht, befasst sich die angewandte Kategorienwissenschaft mit Anwendungsproblemen, bei der sie die kategoriale Forschung nutzt. Zur angewandten Kategorienwissenschaft gehören auch Verfahren zu Datenerhebung, die für die kategoriale Zugangsweise relevante Information liefern müssen. Dabei spielen qualitative Verfahren eine besondere Rolle.
History
Für Charles S. Peirce war die Frage der Kategorien ein wesentlicher Ausgangspunkt seiner Philosophie. Peirce entwickelte eine Kategorienlehre, die sich nicht wie bei Kant mit den Arten der Erkenntnis, sondern mit Erscheinungsweisen des Seins befasst und die Grundlage seiner Zeichenlehre bildet. Die Kategorien von Peirce können nicht mit Logik beschrieben, sondern nur phänomenologisch untersucht werden. Sie sind in jedem Phänomen enthalten und daher universal. Begrifflich unterschied Peirce rein formal Erstheit, Zweitheit und Drittheitals Formen, in denen alles, was ist, sich widerspiegelt: „Erstheit ist die Weise, auf die etwas für sich selbst existieren würde, ohne Beziehung auf etwas anderes, so dass es keinen Unterschied machen würde, wenn nichts anderes existierte oder jemals existiert hätte oder existieren könnte.“ (Das Denken und die Logik des Universums, 200) Erstheit ist das Sein von etwas ohne Bezug auf etwas anderes. Es ist das Sein an sich, das als reine Möglichkeit besteht (z. B. Röte als Möglichkeit); „Eine Zweitheit kann man als eine Veränderung des Seins eines Gegenstandes definieren, die ipso facto eine Seinsweise eines vom ersten deutlich unterschiedenen Gegenstandes ist. Oder genauer gesagt ist Zweitheit dasjenige in jedem von zwei absolut getrennten und voneinander entfernten Gegenständen, das einen jeden von ihnen dem anderen zuordnet, nicht für meinen Geist oder für oder durch irgendeinen anderen vermittelten Gegenstand oder vermittelten Umstand welcher Art auch immer, sondern in diesen beiden Gegenständen allein, so dass es sich genauso verhalten würde, wenn nichts anderes existierte oder jemals existiert hätte oder existieren könnte.“(Das Denken und die Logik des Universums, 201) Zweitheit ist die Bestimmung des hier und jetzt von etwas Seiendem (der Gegensatz zweier noch unreflektierter Gefühle); „Die Idee der Drittheit ist die Veränderung des Seins eines Gegenstandes, welcher eine Erscheinungsweise eines zweiten ist, insofern er die Veränderungen eines Dritten ist. Man könnte sie einen inhärenten Grund nennen.“(Das Denken und die Logik des Universums, 202) Drittheit ist das Prinzip, das hinter den Dingen steht, die mit der Erscheinung verbundene Gesetzmäßigkeit (z. B. dass eine Tür zu öffnen ist, dass ein Tisch eine Ablagefläche hat, der Algorithmus des Computerprogramms). Eine Verbindung zu den Kategorien Kants ergibt sich wieder, wenn Peirce Möglichkeit = Erstheit, Aktualität = Zweitheit und Notwendigkeit = Drittheit setzt. Ähnlich verhält es sich mit den Relationen Qualität (1), Tatsache (2) und Verhalten bzw. Gesetz (3) sowie mit den Begriffen Gegenstand (1), Relation (2) und Repräsentation (3). Die Triade war für Peirce eine grundlegende Perspektive auf alle Phänomene, und er sah sie sogar in der christlichen Dreifaltigkeit bestätigt. Die Kategorien sind zwar gedanklich unterscheidbar, aber sie sind nicht separierbar. Sie sind jeweils alle in jedem Gedanken enthalten und nur in einem langen Prozess der Aneignung mit Klarheit zu erfassen. Dementsprechend gibt es von Peirce immer wieder Texte verschiedener Annäherung an die Kategorien.
